Fotoseiten

Rund 60 Zuhörerrinnen und Zuhörer waren am Montag, dem 14. Oktober 2002, ins "Haus des Kirchenkreises" gekommen, um einiges über die "Integration von Glaubensflüchtlingen - Das Schicksal der Hugenotten", zu hören. Der Recklinghäuser Karlheinz Allekotte, Akademiemitglied und Hobby-Historiker, hatte sich mit diesem Thema beschäftigt und referierte.

      Wir zeigen einige Fotos vom Abend zu zitieren aus Allekottes Vortrag die Passagen, die sich mit der Aufnahme von Flüchtlingen, von Glaubensflüchtlingen, in Brandenburg im ausgehenden 17. Jahrhundert befassen.

Digitale Fotos: Peter R. Seeber

Unter Ludwig XIV. (1643 – 1715), auch „Sonnenkönig" genannt, erreicht der Absolutismus in Frankreich seinen Höhepunkt. Das Motto des Königs ist: „Ein König, ein Gesetz, ein Glaube". Seine Auffassung „Der Staat bin Ich" und „Zwei Religionen gefährden den Staat" führen 1685 zur Aufhebung des Toleranzediktes von Nantes. Die Hugenotten verlieren alle rechte. Eine schlimme Strafe war die Verbannung als Galeerensträfling. Wer fliehen konnte, verlässt Frankreich. Rund 20.000 Hugenotten finden in Nordamerika, in den Niederlanden, in der Schweiz eine neue Heimat.

Tausende fliehen nach Hessen-Kassel, Franken, Württemberg und in die Pfalz. Die großzügigste Hilfe aber gewährt der calvinistisch erzogene Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der Große Kurfürst. Er ist verheiratet mit Henriette von Oranien, einer Enkelin des Admirals Coligny.

Der Kurfürst mahnt den französischen König wegen der Verfolgung der Hugenotten. Dann erlässt er am 29. Oktober 1685 das Edikt von Potsdam in deutscher, französischer und niederländischer Sprache und regelt die Flüchtlingsaufnahme. Aus Barmherzigkeit und aus Berechnung, um die Schäden des 30jährigen Krieges zu beseitigen, in dem Brandenburg mehr als ein Drittel seiner Bevölkerung verloren hatte, gewährt er den Hugenotten Privilegien. Im 14-Punkte-Programm zur Integration von Flüchtlingen heißt es u.a.

- Flüchtlinge haben freie Wahl des Wohnortes und Berufes

- Zur Berufsausübung dürfen Fluchtgüter und waren abgabefrei eingeführt werden

- Empfangsgeld für Mittellose

- Erhalt von Baumaterial für den Wiederaufbau zerfallener Häuser

- Ansonsten vier Jahre mietfreie Wohnungen

- Bürgerrecht und Zunftrecht

- Der französische Adel wir dem deutschen gleichgestellt

- Gottesdienste dürfen abgehalten werden, wo sie wollen und nach ihrer Ordnung in französischer Sprache.

Der Kurfürst setzt zur Überwachung des Edikts eine Kommission ein. Dies hat die Aufgabe, „unseren evangelisch-reformierten Glaubensgenossen französischer Nation alle Hilfe, Freundschaft, Liebe und Gutes zu erweisen".

Die Integrationspolitik des Kurfürsten stieß bei den Brandenburgern aber auch auf Widerstand. Sie sahen die Hugenotten als Begünstigte und als berufliche Rivalen. Spenden für Flüchtlinge verweigerten sie.

20.000 Flüchtlingen – Refugies genannt – finden in Brandenburg eine neue Heimat. Viele lassen sich in Berlin nieder. Bald sind ein Drittel der Betliner Hugenotten. Ein französisches Viertel entsteht an der Französischen Straße mit einem anerkannten Sozial- und Bildungswesen. Das französische Gymnasium, gegründet 1689, findet großen Zuspruch und ist bis heute ein kultureller Mittelpunkt.

In der französischen Kirche in Berlin wird jetzt noch am 1. Sonntag nach dem 24. Oktober des Ediktes von Potsdam gedacht. Die Kirche, heute im Französischen Dom am Gendarmenmarkt, wo auch der deutsche Dom steht, beherbergt auch das Hugenottenmuseum. Ein weiteres Hugenottenmuseum ist in Bad Karlshafen an der Weser.

Die beruflichen Fähigkeiten der französischen Flüchtlinge waren für Brandenburg / Preußen äußerst nützlich.

Es kamen Offiziere und Soldaten. Eigene französische Einheiten wurden aufgestellt.

Es kamen Handwerker und Kaufleute, Ingenieure und Architekten, Buchhändler und Juweliere, Apotheker und Hebammen, Lehrer und Erzieher, Gärtner und Landwirte.

Für die wirtschaftliche Entwicklung war die Aufnahme der Tuchproduktion, die Seidenherstellung und die Hutmacherei wichtig.

Aber auch Berliner Speisespezialitäten wie Bouletten und die Berliner Weiße verdanken wir den Hugenotten.

zurück