Am 7. März 2003 eröffnete die Ev. Akademie Recklinghausen in Kooperation mit der Sparkasse Vest Recklinghausen und einigen privaten Leihgebern ihre Ausstellung von historischen Bibelausgaben zum Jahr der Bibel 2003.
      Diese Ausstellung in der Kundenhalle der Sparkasse am Herzogswall 5, die vom Akademie-Vorstandmitglied  Peter Borggraefe konzipiert und organisiert wurde, steht unter der Überschrift

"Die heilige Schrift im Spiegel der Buchdruckerkunst"
- Von den Anfängen 1452 bis zur Gegenwart -

Oberkirchenrätin Doris Damke, Bielefeld, hielt einen faszinierenden Vortrag über die Bedeutung der Bibel im Laufe von drei Jahrtausenden unter dem Thema:

"Ein Kräutlein, das duftet: die Bibel"    

Zu dieser Ausstellung gibt es ein Begleitheft, das als pdf-Datei von Interessierten hier herunter geladen werden kann.
     Wir zeigen einige Fotos vom Eröffnungsnachmittag und dokumentieren mit ihrem Einverständnis Rede-Auszüge aus dem Vortrag von Oberkirchenrätin Doris Damke.
     Die vollständige Rede können Sie
hier herunterladen.  

Kolorierter Holzschnitt von Lucas Cranach,
"Die Schöpfung" aus der Luther-Bibel von 1534

Digitale Fotos: Peter R. Seeber

Andreas Lipps, Direktor der Sparkasse Vest Recklinghausen, begrüßt die Erschienenen und eröffnet damit die Veranstaltung und die Ausstellung
Erfreulich groß war das Interesse an dieser Ausstellungseröffnung

Peter Borggraefe führt in die Ausstellung ein und erläutert sein Konzept.

Frau Damke sagte u.a.:      
     "Die Bibel ist nach wie vor das weitverbreitetste - aber sie ist auch das weithin unbekannte Buch.
Wenn gleich die kulturellen Prägungen unseres Lebensraumes, die von ihr ausgegangen sind, noch erkennbar sind. Und das bestreitet auch kaum jemand, selbst wenn heute aus unterschiedlichen Richtungen Fragen an die Berechtigung der Rede von dem „christlichen Abendland“ gestellt werden.
     Generationen von Menschen haben an hand der Bibel nicht nur Lesen gelernt. Sie haben mit ihr auch das Leben und die Welt zu denken und damit zu gestalten gelernt.
     So hat sie gerade mit ihrem Verständnis von einem Menschsein, dem die Ebenbildlichkeit Gottes zugeeignet ist und dem daher ein unverlierbare Würde verliehen und Freiheit geschenkt ist, die Menschenrechte, so auch die Grundrechte in unserem Grundgesetz, stark geprägt.
     Aber auch unsere Literatur und Musik, die bildende Kunst bis hinein in die moderne Filmproduktion wurden und werden nach wie vor von ihr beeinflusst.
Viele haben Zugang zur biblischen Überlieferung auch durch Thomas Manns Roman „Joseph und seine Brüder“ gefunden, der zur Weltliteratur zählt. Andere kennen den „Kaukasischen Kreidekreis“ von Berthold Brecht, in dem er die Tradition
der sprichwörtlichen Weisheit Salomos aufnimmt und verarbeitet.
     Unzählige Menschen, die Oratorien und Passionen besuchen, lassen sich auf diese Weise konfrontieren mit der Gestalt Jesu und seiner Botschaft. Um nur einiges zu nennen. Und auch das Kunsthandwerk hat sie immer wieder zum Gegenstand seiner Kreativität, Sorgfalt, neuer künstlerischen Möglichkeiten, dem jeweiligen Zeitgeist entsprechend, gemacht. Die Ausstellung wird uns ja einen tiefen Einblick darin gewähren." 

     "Doch vor allem unsere Sprache lebt bis heute von den Sprachbildern der Bibel. An den biblischen Redewendungen , mit denen wir biografische Geschehnisse deuten und beschreiben, wird dies überdeutlich. Oder kennen Sie etwa nicht Aussagen wie diese?

    
Da zeigt die Hebamme auf der Entbindungsstation das erste mal den gerade abgenabelten Sprössling und er ist geboren, nackt wie Adam. Ob er einst weise sein wird wie Salomon, oder keusch zu leben versteht wie Josef, wer weiß? Vielleicht gleicht er später auch eher einem notorischer Skeptiker und wird ein ungläubiger Thomas.
     Es mag gute Zeiten in seinem Leben geben, wo er sich fühlt wie im Paradiese.
     Aber es kann auch sein, dass er nur dem Mammon -dient, bis er schließlich
- vielleicht nach einem Börsencrash - wieder arm ist wie Lazarus.
     In diesen schlechten Zeiten und mageren Jahren sehnt er sich dann zurück nach den Fleischtöpfen Ägyptens. Doch er lernt einfach nicht dazu und bleibt dumm, manchmal auch stur wie Bileams Esel.
     Darum wird ein zu einem ständiger Pechvogel, und eine Hiobsbotschaft ereilt ihn nach der anderen. Doch er gibt nicht auf. Um
sein Geschick doch noch zu wenden, rennt er von Pontius nach Pilatus.
Doch auch privat steht
es bei ihm nicht zum besten. Da werden ihm täglich von seiner Frau, die starr ist wie eine Salzsäule, ständig die Leviten gelesen, damit er nicht weiter so in Sodom und Gomorrha lebt.
     Doch bei all den Unbilden wünscht er sich dennoch, einmal so alt wie Methusalem zu werden. Und wenn es dann doch eines Tages auch bei ihm einmal Matthäi am Letzten ist, dann hofft auch er darauf, dereinst aufgehoben zu sein wie in Abrahams Schoß."

 

Nach dem Vortrag Blumen von Andreas Lipps, dem Direktor der Sparkasse Vest Recklinghausen am Herzogswall

 

Auch der Vorsitzende freut sich über den hervorragenden Vortrag, eine grandiose "Liebeserklärung" an die Bibel.
     Wie sagte doch Doris Damke?!


"
Ja, wir leben mit der Bibel, auch ohne es noch immer zu wissen. Darum lohnt es sich, wieder einmal in der heiligen Schrift zu suchen. Und zu finden.
     So lautet ja das Motto des Jahrs der Bibel 2003.
Für mich steckt nicht nur eine Einladung, sondern auch eine Verheißung darin.
     Suchen. Und finden (!).
     Doch damit das auch geschieht, dafür müssen Menschen die Heilige Schrift reiben wie ein Kräutlein, wie Martin Luther es formulierte, denn je mehr du es reibst, desto mehr duftet es, so weiß Luther zur immer neuen Beschäftigung mit der Bibel einzuladen. Reiben an dem Kräutlein, um ihren Reichtum zu entdecken.
     Denn dieses Buch steckt voller Weisheiten und Wunder, ist voller Poesie, aber auch reich an Dramatik. Darum lies nach bei – eben nicht Shakespeare, wie ein Musical rät, sondern vielleicht einmal bei Jeremia und Titus, Samuel und Paulus.
     Die Gabe des Wortes der Bibel umschließt auch die Aufgabe, sich mit ihr zu beschäftigen."

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