Sonderseite zum Osterfest 2003

Johann Wolfgang von Goethe

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
durch des Frühlings holden belebenden Blick,
im Tale grünet Hoffnungsglück;
der alte Winter, in seiner Schwäche,
zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
ohnmächtige Schauer körnigen Eises
in Streifen über die grünende Flur.

Aber die Sonne duldet kein Weißes,
überall regt sich Bildung und Streben,
alles will sie mit Farben beleben;
doch an Blumen fehlt's im Revier,
sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen
nach der Stadt zurückzusehen!
Aus dem hohlen, finstern Tor
dringt ein buntes Gewimmel hervor.

Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
denn sie sind selber auferstanden:
aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
aus den Straßen quetschender Enge,
aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
durch die Gärten und Felder zerschlägt,
wie der Fluss in Breit und Länge
so manchen lustigen Nachen bewegt,
und, bis zum Sinken überladen,
entfernt sich dieser letzte Kahn.

Selbst von des Berges fernen Pfaden
blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,

hier ist des Volkes wahrer Himmel,
zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Digitale Fotos: Peter R. Seeber

Eier als Geschenk

Der Brauch des österlichen Eierschenkens lässt sich auf die Abgabe von Zinseiern zurückführen. Sie waren Bestandteil des Abgabenzinses und der Spenden, die am Gründonnerstag eingetrieben wurden. So tauchen Ostereier erstmals in mittelalterlichen Rechnungsbüchern auf. Die Zinseier mussten, in der Zeit der Naturwissenschaft ähnlich unserer Steuern, von den bäuerlichen Untertanen den Grundherren als Obulus entrichtet werden. Von den am Gründdonnerstag fälligen Zinseiern standen den Knechten je eins, den Mägden nur ein halbes zu.
     Auch bei den Heischeumzügen der Dorfjugend mit Klappern und Ratschen spielten Eier eine große Rolle. Je nach Größe des bäuerlichen Gutes mussten die Untertanen zwischen 100 und 300 Eier an die Herrschaften abliefern. Bei den weltlichen Grundherren wurde das Zinsei allmählich als Geschenk betrachtet. Die Geistlichkeit belohnte mit den geweihten Eiern zu Ostern Lehrer, Totengräber, Hirten, Pfarrer und Küster. So gelangten die Ostergaben in jedes Haus.

      Ab dem 16. Jahrhundert hat sich mit der Reformation ein grundlegender Wandel in die Sitte des Eierschenkens vollzogen. Es wurden nicht mehr die hohen geistlichen Herren beschenkt, sondern vielmehr die Patenkinder, Freund und die Liebsten. Das Osterei entwickelte sich zum Liebesbeweis oder Geschenk.

Die Sitte des Eierschenkens hat hier wohl ein Wurzel, denn als die Abgaben an die Grundherren abgeschafft wurden, behielt man den Brauch des geschmückten Geschenkeies bei.

Heute sind es neben den bunten Ostereinern zunehmend Süßigkeiten und andere Geschenke, die den Kindern, sei es im Freien, sei es in der Wohnung, versteckt werden. Allgemein heißt es, der Osterhase habe sie gebracht.

 

Das bekannteste Ostersymbol ist heute zweifellos das bunt gefärbte Osterei.

Auch dieser Brauch reicht weit in die vorchristlich Zeit zurück. Dem Ei als Sinnbild des Lebens werden magische Kräfte zugeschrieben. Hier verschmolzen christlicher Auferstehungsglaube und christliches Erlösungsmysterium mit vorchristlichem Naturkult. Wie das Küken aus der Eierschale, so brach am Ostertage Christus aus dem Grabe. 

 

In frühchristlicher Zeit wurde aus dem Ei das Oster-Ei als Symbol für die Auferstehung Christi und der Osterfreude. Seine andere Symbolbedeutung behielt es aber auch in christlicher Zeit bei. So, wenn es zum Unheil abwenden und Segen und Fruchtbarkeit verteilen und bewahren sollte und im Brauchtum bei Geburt und Hochzeit, bei Unwettern, bei Saat und Ernte oder an die beim Häuserbau als Bauopfer eine Rolle spielte, zum Teil bis in unser Jahrhundert hinein.

Ostereier, Symbol des Auferstandenen, werden seit dem 12. Jahrhundert geweiht, verschenkt und auch als Schutz gegen Unwetter auf Äcker und Saaten gebracht oder in die zuerst gebundene Erntegarbe gelegt zur Erlangung von Fruchtbarkeit für das kommende Erntejahr.

In West- und Mitteleuropa war anfangs das rote Ei, in Osteuropa das goldene Ei am weitesten verbreitet. Die rote Farbe der Ostereier wird als Erinnerung an das vergossene Blut Christi gedeutet. Besonders in den slawischen Ländern versieht man Eier mit farblichen Schmuck und christlichen Motiven. Eier aus Edelsteinen, Marmor, Wachs und Holz wurden als kostbare Festgaben überreicht. Das rote Ei wurde zum Ostersymbol der Liebe.

 

Verstärkt wird die Wertschätzung der Ostereier durch die Segnung der Eier am Ostermorgen, die bis heute in vielen katholischen Gemeinden und den orthodoxen Kirchen üblich ist.


 



Und zum Schluss ein vielfältiges Ostereier-Geschenk aus Rumänien

 

 

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