Am 29. Oktober 2002 sprach Prof. Dr. Klaus Tenfelde, Professor für Sozialgeschichte und soziale Bewegungen an der Ruhr-Universität Bochum und Leiter der Bochumer "Bibliothek des Ruhrgebiets" in der Evangelischen Akademie Recklinghausen über "Die Ruhrstadt: Geschichte und Vision". In einer geschichtlich sehr fundierten  und im Blick auf die Gegenwartsbezüge sehr konkreten Rede äußerte er die Überzeugung, dass im Ruhrgebiet zwar viel geschieht, aber zu wenig gemeinsam. Die organisatorische und politische Voraussetzung müsse geschaffen werden, dass diese Region mit einer Stimme spreche, also die einzelnen Kommunen mehr kooperieren und sich nach außen als starker Ballungsraum präsentieren.
    
Erstaunlicherweise waren zu diesem aktuellen und in den regionalen Medien schon mehrfach kontrovers diskutierten Thema nur knapp 40 Zuhörerrinnen und Zuhörer gekommen. Der Vorstand der Akademie hatte mehr erwartet.
    
Wir zeigen einige Fotos vom Abend.

Digitale Fotos: Peter R. Seeber


Beim Vorgespräch und Abendessen, von links: Reinhard Wahnes, Peter Borggraefe, Prof. Dr. Klaus Tenfelde

 

 








Prof. Dr. Tenfelde während seiner Rede


 

 

 

 

 

 

 

 

Peter Borggraefe (re.) leitete die Aussprache und fasste in seinem Schlusswort den Abend wie folgt zusammen:

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ihr Beifall zeigt: Wir haben einen sehr interessanten und informativen Abend, auch mit vielen Provokationen, gemeint als Denkanstösse, erleben können. Wie sehr das Thema mit der Zukunft des Ruhrgebiets zusammenhängt, will ich abschließend an mehreren Erlebnissen, die ich in diesem Jahr im Ausland habe sammeln, erläutern.

Das Ruhrgebiet, Herr Tenfelde hat es eben gesagt, hat über 5 Millionen Einwohner. Es gehört damit zu den großen Städten auf dieser Welt. Als ich mit meiner Frau im März in den USA war und dann in Guatemala, haben sie mich gefragt: „Wo kommst du denn her?" Da habe ich erstens gesagt: „Recklinghausen". Kannte keiner, woher auch? Dann habe ich gesagt: „Ich komme aus der Nähe von Essen." Kannte keiner. Dann habe ich gesagt: „Ich komme aus dem Ruhrgebiet." Kannte keiner. Ich hab mir dann angewöhnt, vierzehn Tage den Standort „Recklinghausen" so zu definieren: „60 km östlich von Düsseldorf". Das haben sie alle verstanden. Ich hätte auch „Köln" sagen können, und es hätte historisch noch besser gepasst. Das heißt: Diese beiden Städte, die ein Fünftel oder ein Achtel von der Einwohnerzahl des Ruhrgebiets haben, sind international bekannter als die großen Städte der Ruhrgebiets einzeln oder das Ruhrgebiet insgesamt. Und machen wir uns nichts vor: das hat für Wirtschaftsansiedlungen entschieden Vor- und entschieden Nachteil. Die Karikatur dieser ganzen Sache hat Professor Tenfelde ja gerade an der Olympia-Bewerbung in Düsseldorf und Umgebung plastisch dargestellt. Wir sind das Hinterland. Und das ist der Punkt, worum es hier geht, wenn man die Frage stellt: wie organisiert sich das Ruhrgebiet?

Und ich glaube, Herr Tenfelde, dazu haben auch Sie hier in diesem Vortrag Denkanstösse gegeben, um uns auch hier im nördlichen Ruhrgebiet, wo wir eher von Emscher- und Lippe-Zone reden als vom Ruhrgebiet, beim Weiterdenken zu helfen. Schönen Dank!

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