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       Die Gesundheitsreform -
ihre Bedeutung und ihre Auswirkungen auf das Gesundheitswesen und die Patienten in NRW

Birgit Fischer, Ministerin für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie in NRW, hatte seit langem zugesagt. Und sie hielt Wort und kam, hielt ihren Vortrag und stellte sich den vielen - meist kritischen - Fragen der Zuhörerinnen und Zuhörer zu den umstrittenen praktischen Folgen der Gesundheitsreform.
        Wir zeigen Fotos vom Abend und zitieren einige Gedanken im Wortlaut der freien Rede der Ministerin.  

Digitale Fotos: Peter R. Seeber

Über einhundert Personen waren gekommen, um mit der NRW-Gesundheitsministerin über die praktischen Folgen der Gesundheitsreform zu diskutieren.
 

"Ich verstehe die Diskussion und Debatte, die zur Zeit läuft, außerordentlich gut; auch die Aufregung, die damit verbunden ist. Aber ich sage auch, dass das, was zur Zeit erst öffentlich diskutiert wird, was Sie aber auch persönlich erleben, nicht das ist, was die Gesundheitsreform insgesamt ausmacht, sondern dass hinter der Gesundheitsreform sehr viel mehr auch an positiven Veränderungen für Patienten und Patientinnen steht, die heute aktuell nicht spürbar sind für Sie, weil heute eindeutig das überwiegt, was an Nachteilen vorhanden ist."

"Genau diese Diskussion um die Kosten auf der einen Seite, mangelnde Qualität auf der anderen Seite, hat sehr stark dazu geführt, dass das gesamte System immer stärker seine Akzeptanz verloren hat. Damit ist das solidarisch finanzierte Gesundheitswesen langsam ins Wanken geraten. Wird überhaupt noch akzeptiert, dass wir ein solidarisch finanziertes Gesundheitswesen haben? Das heißt: eine Versichertengemeinschaft, die für eben diese Gemeinschaft aufkommt, wo jung für alt, gesund für krank gleichermaßen einstehen? Das halte ich für die Kernfrage und für das Hauptziel einer Gesundheitsreform.
      Wenn man etwas verändern will und verändern muss, um die Akzeptanz zurück zu gewinnen, um auf Dauer auch ein solidarisches Gesundheitswesen zu erhalten, bedeutet die Hauptzielrichtung, dass wir das hohe Gut Gesundheit für alle finanzierbar machen, und das, was wir an medizinischen  Möglichkeiten, an Kenntnissen, an Know-how haben, auch allen Menschen, unabhängig von dem eigenen Portemonnaie, unabhängig von dem eigenen sozialen Status, auch tatsächlich zur Verfügung stellen. Ich halte das für die Kernerrungenschaft unserer Gesellschaft, dass wir ein hohes medizinisches Know-how, eine hohe Qualität haben, aber auch bisher immer dazu in der Lage waren, diese Leistung allen Menschen in unserer Gesellschaft zugute kommen zu lassen. Und gerade darum ist eine Gesundheitsreform notwendig, um dies zu erhalten."
 

 

"In der Gesundheitsreform geht es maßgeblich darum, die Hindernisse, die es bisher gibt - die finanziellen Hindernisse - die berufsrechtlichen Hindernisse und rechtlichen Hindernisse, die solche Strukturen der Zusammenarbeit zwischen den ambulanten und den niedergelassenen Ärzten verhindern, die aufzulösen. sie zu verändern, um zu neuen Angeboten für die Patienten und Patientinnen zu kommen. Da geht es nach der Gesundheitsreform um die so genannte integrierte Versorgung. Integrierte Versorgung heißt letztendlich: Behandlung aus einer Hand. Ein Patient, eine Patientin, wird durch das Versorgungssystem geführt. Die Ärzte arbeiten zusammen, kooperieren in Form von Ärztekonferenzen und überlegen, was ist für diesen Patienten, diese Patientin, notwendig. .... Bisher war diese integrierte Versorgung nur in Ausnahmefällen möglich wie z. Bsp. bei der Knappschaft."

"Wenn wir über die Strukturen reden, müssen wir gleichzeitig auch über die Qualität der medizinischen Angebote reden. Und auch da verändert die Gesundheitsreform viele Grundlagen, die ausgesprochen positiv sind für die Patienten und Patientinnen.
      Es gibt 1. eine Weiterbildungsverpflichtung für Ärzte. ... Jeder einzelne Arzt wird aber dieses gesamte medizinische Wissen nach dem neuesten Stand sich auch nicht immer parallel zu seinem Beruf aneignen können. Darum ist 2. die Zusammenarbeit eines Ärzteteams notwendig, damit auch immer der neueste Stand der medizinischen Erkenntnisse durch die unterschiedlichen Personen mit eingespeist wird."

"Diese und andere strukturelle Veränderungen sind in der Tat der Kern der Gesundheitsreform. Und das ist das, wo ich Riesenchancen sehe für die Weiterentwicklung in unserm Gesundheitswesen. Das ist allerdings das, wovon Sie als Patienten und Patientinnen im Augenblick noch gar nichts spüren. Das, was Sie zu spüren bekommen, sind die Regelungen über Zuzahlungen, über neue Finanzierungen, die jetzt eine Rolle spielen.
      Das, was wir jetzt im Augenblick erleben, ist eine riesengroße Unsicherheit, wie denn die Praxisgebühr überhaupt gehandled werden soll.
       Die notwendigen pragmatischen Lösungen sind zum Teil nicht vorbesprochen. Darum halte ich die Kritik für absolut gerechtfertigt. Man kennt diese Probleme, die in der Praxis auftauchen. Warum die nicht vorher gelöst wurden, sondern erst jetzt, nachdem das Gesetz in Kraft getreten ist, weiß ich nicht."

"Alle, die im Gesundheitswesen tätig sind, sind für die Heilung der Patienten und Patientinnen da. Und von daher kann man nur die Interessen der Patienten und Patientinnen in den Vordergrund stellen und sagen: letztendlich ist das der Maßstab, ob etwas richtig oder falsch ist, ob etwas gerecht ist, ob es dem Patienten und der Patientin nützt."

 

Gemeinsam mit Peter Borggraefe, der sich besonders um den Besuch der Ministerin bemühte.
 

Nach dem Vortrag noch einige persönliche Klärungen 

"Ich kann nur auffordern, dass alle versuchen, den Maßstab der Gerechtigkeit anzulegen und zu sagen, was nützt und hilft dem Patienten und der Patientin tatsächlich. Wo müssen jetzt Veränderungen auch eingefordert werden, wenn es wirklich Probleme gibt. Eine Gesundheitsreform kann und darf nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden. Aber ich bitte gleichzeitig auch darum, dass man die positiven Veränderungen, die im Grunde beabsichtigt sind, die gewollt sind, auch mit unterstützt und auch für sich selbst als Patient einfordert.
      Darum glaube ich, dass wir mittelfristig mit der Gesundheitsreform auf einem ausgesprochen guten Weg sind. Ich wünsche mir sehr, dass wir die Hindernisse, die es im Augenblick gibt, sehr schnell in den Griff bekommen. Und ich ärgere mich über sehr viele Dinge und ich halte sie auch für überflüssig, so wie sie im Augenblick sind, und verstehe den Protest ausgesprochen gut und halte ihn auch für gerechtfertigt. Nur, das sind Dinge, die sind zu klären, die sind zu bewältigen. Darüber darf man aber nicht vergessen, dass man tatsächlich Veränderungen braucht."

Über die sehr ins Konkrete gehende Aussprache mit den Äußerungen von Kranken und Betroffenen lesen Sie ausführlich im Pressebericht der Recklinghäuser Zeitung.

Ein süßes Dankeschön

 

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