Fotoseiten

Montag, 29. November 2004

Vortrag von Dr. Franz-Josef Ortkemper, Stuttgart, über

"Paulus - ein unbequemer Vordenker"
 

Großes Interesse an Paulus - und an Dr. Ortkemper

War schon der erste Paulus-Abend vor einer Woche mit rund 80 Personen gut besucht, so waren es gestern Abend über 120 interessierte Damen und Herren, die etwas über "Paulus - den unbequemen Vordenker" hören wollten. Ganz sicherlich war das Interesse auch deshalb so groß, weil der ehemalige langjährige Pfarrer von St. Elisabeth in Recklinghausen und heutige Direktor des Kath. Bibelwerkes in Stuttgart, Dr. Franz-Josef Ortkemper, als Referent angekündigt war.
     In knapp 60 Minuten schilderte er in einer für alle verständlichen Ausdrucksweise ohne theologische Fachsprache einige Stationen im Leben und Wirken des Paulus: das so genannte Damaskuserlebnis mit der Christusvision, den Aufenthalt in Antiochia, das "Apostelkonzil", die Missionsreisen und die Abfassung einiger Briefe. Ausführlich ging Ortkemper auf den Galaterbrief ein, in dem Paulus sich zu seiner Vergangenheit als erbitterter Gegner der Jesusbewegung bekennt. Im Verlauf des Briefes setzt er sich mit seinen Gegner auseinander und entwickelt seine "Rechtfertigungslehre".
      Ortkemper: "
Die so genannte Rechtfertigungslehre erscheint uns heute manchmal sehr abstrakt. Auf dem Hintergrund einer erbarmungslosen Leistungsgesellschaft erhält sie ganz neue Aktualität und kann ihre befreiende Kraft entfalten, wie sie auch Paulus erfahren hat: Jeder einzelne Mensch hat von Gott her einen unersetzlichen Wert, ganz unabhängig von seinem Leistungsvermögen oder seiner sozialen Stellung - eine unglaublich befreiende Einsicht: Befreiend auf dem Hintergrund heutiger bioethischer Debatten - auch eingeschränktes, behindertes, krankes Leben behält seine unverlierbare Würde, befreiend auch für Situationen von Schwäche, Unglück, Enttäuschung, wo Menschen oft kaum wissen! wie sie solche Grenzerfahrungen bewältigen sollen."
      Natürlich wurden auch die Korintherbriefe, die Briefe an die Philipper und an Philemon und schließlich der Römerbrief inhaltlich kurz gestreift.
      Ortkemper endete seinen mit viel Beifall bedachten Vortrag, dem sich eine kurze intensive Aussprache anschloss, mit den Worten: "Die Geschichte der frühen Kirche ist alles andere als harmonisch gewesen. Es ist die bleibende Leistung des Paulus, dem Evangelium von Jesus Christus seinen Weg in die Welt der Heiden geöffnet zu haben. Ohne ihn wäre die Kirche vermutlich nie Weltkirche geworden, vielleicht wäre sie sogar nur eine jüdische Sekte geblieben und damit vermutlich eine Fußnote im Geschichtsbuch geworden. Zugleich war die endgültige Trennung der Kirche vom Judentum ein äußerst schmerzlicher Prozess, der viele Wunden geschlagen hat - bis heute. Paulus selber hat mitten in diesen Konflikten gestanden, hat unglaublich darunter gelitten. Umso erstaunlicher ist die Konsequenz, mit der er das einmal als richtig Erkannte gegen alle Widerstände durchgetragen hat. Das ist seine Größe."  
 

Mit Einverständnis von Dr. Ortkemper
veröffentlichen wir hier seinen Vortrag als pdf-Datei.

 

zurück zum Inhaltsverzeichnis