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Am 16. Februar 2004 eröffnete Pastorin Elsa-Ulrike Ross aus Weimar das diesjährige 'Ökumenische Forum' unter der Gesamtthematik "Christliches Gewissen und Widerstand gegen Tyrannei" mit einem grundlegenden Vortrag zu dem Thema "Die Märtyrer sind ein gemeinsames Erbe".
      Im ersten Teil ihrer Rede zeigte Frau Ross auf, dass Verfolgung, Martyrium und Opfertod von den ersten Tagen des Christentums an bis zum vergangenen "Jahrhundert der Christenverfolgungen" dem christlichen Zeugnis entgegen standen und unzähligen Menschen das Leben kosteten.
     Stellvertretend für viele Blutzeugen des letzten Jahrhunderts schilderte Pastorin Ross, die zugleich Vorsitzende der Pfarrer-Paul-Schneider-Gesellschaft ist, dann im zweiten Teil das Leiden von Pfarrer Paul Schneider, der am 18. Juli 1939 im Konzentrationslager Buchenwald umgebracht wurde.  
      Nach der Pause zeigte sie noch einige Diapositive von der von Renata Sciachi geschaffenen ökumenischen Ikone zum Gedenken an die "Märtyrer und Zeugen des Glaubens des XX. Jahrhunderts", die in der kleinen Kirche Sant' Egidio im Ortsteil Trastevere in Rom aufgestellt ist. Diese Ikone, auf der auch Pfarrer Paul Schneider, "der Prediger von Buchenwald" abgebildet ist, wurde am 1. Februar 2003 in einem besonderen ökumenischen Gottesdienst "in Dienst gestellt".
 

 


 

 

Digitale Fotos: P.R.Seeber

 

 

 

 

 

   


 

"Das vergangene Jahrhundert hat Christen millionenfach den Tod bereitet und ist dadurch zur Märtyrer reichsten Epoche der christlichen Weltgeschichte geworden. Allein die Christenverfolgung unter Stalin hat etwa 500.000 orthodoxen, katholischen und protestantischen Christen das Leben gekostet. ... "

      "Bisher hatte ich für diese Menschen den Begriff "Märtyrer" immer ganz bewusst vermieden. Für mich gehörte diese Ehrenbezeichnung zu den Blutzeugen aus der klassischen Zeit der Christenverfolgung, also der frühen Jahrhundert, angefangen bei Stephanus und den Aposteln bis zu den Verfolgungen unter den römischen Kaisern Nero, Decius, Valerian und Diokletian. ...
      Von Anfang an wollte man den christlichen Glauben durch die Beseitigung der Christen vernichten. Und das ist der Ansatz für jegliche Christenverfolgung von der römischen Zeit bis hinein in die Gegenwart. ...
      Die Geschichte des Christentums und der entstehenden Kirche ist begleitet von Standhaftigkeit, Zeugnis und Martyrium. Und wo immer in der Welt das Evangelium verkündet worden ist und wird, sind auch Gegenkräfte am Werk, die sich dem christlichen Zeugnis entgegenstellen. Leider, das dürfen wir an dieser Stelle nicht vergessen und nicht verschweigen, sind auch durch Kirchenspaltungen Menschen zu Bekennern ihrer Glaubensform geworden gegenüber anderen christlichen Glaubensformen. Und manche haben dabei ihr Leben gelassen."

 

"Die frühen Märtyrer haben den römischen Kaiser nicht angebetet, das Opferfleisch nicht dargebracht und andere Götzenkulte nicht mitgemacht.
      Die "neuen Märtyrer" haben die Ideologie eines Stalin oder eines Stalin nicht akzeptiert. Sie haben dem Kommunismus und dem Nationalsozialismus nicht zugejubelt, sondern sie haben sich ungerechten Diktaturen in vielen Ländern der Welt widersetzt. ...
   Bei den großen Christenverfolgungen des letzten Jahrhunderts spielte schließlich die Art der Konfession keine Rolle mehr. Für die jeweiligen Machthaber waren alle Christen Menschen, die sich dem Totalitätsanspruch des Herrschers nicht beugten und deshalb als staatsgefährdend angesehen wurden und auszuschalten waren. ...
      In den Gefängnissen, in den Konzentrationslagern und Gulags war man letztlich nur noch ein Christenmensch.. Die Inhaftierten erkannten sich als Schwestern und Brüder des einen Herrn. Irgendwie lebte man die Einheit des Glaubens ohne den Begriff "Ökumene" erst zu reflektieren und zu hinterfragen.
      Der Überlebenskampf und das Festhalten am Bekenntnis gegenüber dem Terror wurde über alles Trennende gestellt. Das Leiden vereinte die Christen in der Nachfolge, weil sie sich an den Worten Jesu und der Bibel orientierten und nicht an Dogmen und Lehrsätzen. Und so ist ihr Zeugnis überkonfessionell."

   

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