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Informativ-kontroverse Diskussion über EU-Beitritt der Türkei
Um das Pro und Contra des EU-Beitritts der Türkei ging es am 22. September 2004 in der hoch aktuellen Podiumsdiskussion der Evang. Akademie Recklinghausen im "Haus des Kirchenkreises".
     Die beiden eingeladenen Europa-Abgeordneten Jutta Haug (SPD) und Dr. Christoph Konrad (CDU) sprachen sich mit einer Vielzahl von Argumenten gegen einen Beitritt der Türkei in die Europäische Gemeinschaft aus.
    Ganz anderer Ansicht war Dr. Dirk Halm, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Zentrum für Türkeistudien, und in der anschließenden Plenumsdiskussion eine Reihe von türkisch-stämmigen deutschen Bürgerinnen und Bürgern.
     Sachkundig geleitet wurde die Podiumsdiskussion von Gerd Niewerth, Redakteur der WAZ Essen.
     Den Pressebericht der
Recklinghäuser Zeitung finden Sie weiter unten.

 

von links nach rechts: Dr. Dirk Halm, Gerd Niewerth, Dr. Christoph Konrad, Jutta Haug
 

 

Temperamentvoll, teilweise emotionsgeladen die Diskussion zwischen den Podiumsteilnehmern und den sich häufig zu Wort meldenden Zuhörerinnen und Zuhörern.

 

 

 

Die Recklinghäuser Zeitung vom 24. September schreibt:

Wie viel Türkei verträgt die EU?

Der Beitritt der Türkei zur Europäischen Union ist ein Thema, das die Menschen in Deutschland interessiert – und aufregt. Darüber zu reden, gilt für viele jedoch als Tabu. Sie befürchten, als Gegner eines Türkei-Beitritts in die ausländerfeindliche Ecke gestellt zu werden.

Von Michael Wallkötter

Bei einer Diskussionsveranstaltung der Ev. Akademie in Recklinghausen ("Der Bosporus ein Teil Europas? – Pro und Contra zum EU-Beitritt der Türkei") nahmen Podium und Publikum jedoch kein Blatt vor den Mund.

Auch Jutta Haug nicht. Die SPD-Europaabgeordnete aus Herten sprach sich zur Überraschung der Zuhörer gegen Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aus, auch wenn sie sich damit gegen die Mehrheit (und den Kanzler) ihrer eigenen Partei stellt.

Gemeinsam mit dem CDU-Europaparlamentarier Dr. Christoph Konrad (Bochum) warnte sie vor einer (finanziellen) Überforderung der Europäischen Union. Nach der diesjährigen Erweiterung benötige die EU dringend eine Konsolidierungsphase. "Wir wissen noch nicht einmal, ob die Integration der zehn neuen Staaten gelingt", gab Konrad zu bedenken. Deshalb sei es unseriös, mit weiteren Kandidaten zu verhandeln. Jutta Haug meinte, dass sich durch einen Türkei-Beitritt "kein einziger Vorteil für die EU" ergebe. Die EU vertrage nicht beliebig viele Staaten und eine unbegrenzte geografische Ausdehnung. Unterhalb der Beitrittsebene seien jedoch viele Formen der (wirtschaftlichen) Zusammenarbeit denkbar.

"Integration ist gescheitert"

Das Theater um den Ehebruch als Strafrechtsdelikt, die Furcht vor islamistischem Terror und die Angst vor ungebremster Zuwanderung bestimmten viele Wortbeiträge. Dem wissenschaftlichen Mitarbeiter des Zentrums für Türkeistudien an der Uni Duisburg-Essen, Dr. Dirk Halm, fiel die Rolle zu, für die Türkei zu werben. Er zeigte sich überzeugt, dass das Land am Bosporus die Kriterien für Beitrittsverhandlungen und eine spätere Aufnahme ("2015 bis 2020") erfüllen werde. Die Wertegemeinschaft der EU werde durch den Türkei-Beitritt gestärkt, meinte Halm. Dieser Schritt könne zudem der Schlüssel zur Befriedung des Konfliktes zwischen dem Islam und dem Westen sein.

Die EU-Ambitionen der Türkei lösten in der Diskussion die Frage nach der Integration der in Deutschland lebenden Türken aus. Jutta Haug und Christoph Konrad halten diese für gescheitert und machten dafür integrationsunwillige Türken, aber auch kommunalpolitische Fehlentwicklungen verantwortlich. Dirk Halm sieht den Schwarzen Peter allein bei den Deutschen. "Die deutsche Gesellschaft grenzt sich gegenüber Zuwanderern ab."

   

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